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€ 30,00  
€ 30,90 [A]
sFr 51,00

Band 7
zweisprachig

Mit einem Bericht aus der Übersetzerwerkstatt

und einem Essay von Günter Walch.

248 Seiten

 
ISBN / Bestellnr.:978-3-89716-162-7  
 

William Shakespeare / Frank Günther
The Tempest • Der Sturm

Schauspiel

 

Vor zwölf Jahren ist Prospero, der rechtmäßige Herzog von Mailand, mit seiner kleinen Tochter Miranda in einem Boot ausgesetzt worden: Sein Bruder Antonio hatte ihn mit Hilfe des Königs von Neapel, Alonso, vertrieben und wollte ihn auf diese Art beseitigen. Doch sein treuer Berater Gonzalo gab Prospero Nahrung und seine geliebten Bücher mit. Der Herzog landete auf einer Insel und wurde dort zum Magier. Er machte den Luftgeist Ariel und den missgestalteten Caliban zu seinen Dienern und beherrscht seither die Insel. Nun scheint der Tag der Vergeltung gekommen: Prospero erregt mit seinen Zauberkünsten einen gewaltigen Sturm, in dem ein Schiff zerbirst. Als Schiffbrüchige retten sich sein Bruder Antonio, der alte Gonzalo, der König von Neapel, sein Bruder Sebastian und sein Sohn Ferdinand sowie einige Leute des Hofgesindes auf die Insel. Mit Ariels Hilfe will Prospero seine Feinde bestrafen: Er versprengt sie und hetzt sie durch Leid, Gewissensqualen und Mordgedanken in den Wahnsinn. Alonso lässt er im Glauben, sein Sohn sei ertrunken, in trostloser Trauer auf der Insel umherirren, bis er erschöpft in Schlaf versinkt. Antonio überredet Sebastian zu einem Verbrechen: Sie wollen den schlafenden Alonso und Gonzalo umbringen. Auch Caliban, zu dem sich der Spaßmacher Trinculo und der immer betrunkene Kellermeister Stephano gesellt haben, plant mit seinen Kumpanen einen Anschlag auf Prospero, um ihm die Herrschaft über die Insel zu entreißen. Ariel verhindert die Mordpläne und verwirrt die Schiffbrüchigen mehr und mehr, bis sie in Wahnsinn geraten. Inzwischen sind Ferdinand und Miranda einander begegnet und haben sich verliebt. Prospero will sie erst nach harten Prüfungen zueinander führen, doch Ferdinand besteht alle Proben, und Prospero verlobt seine Tochter mit dem Sohn seines Feindes. Als Ariel sein Mitleid mit den vom Wahnsinn Geschlagenen zeigt, überwindet sich auch Prospero zur Gnade: Er löst die Feinde aus dem Zauberbann, verzichtet auf Rache und verzeiht seinen Übeltätern. König Alonso bereut das an Prospero begangene Unrecht und setzt ihn wieder als Herzog von Mailand ein. Gemeinsam wollen sie am nächsten Morgen ein Schiff besteigen, das sie zur Hochzeitsfeier von Ferdinand und Miranda nach Neapel bringen soll. Prospero schenkt dem getreuen Ariel die Freiheit, zerbricht seinen Zauberstab, schwört aller Zauberei ab und will sich in der Zukunft seinem wiedererrungenen Herzogtum widmen.

 

Der Sturm ist oft als Shakespeares dichteri­sches Vermächtnis gedeutet worden, als Ent­wurf einer Utopie, einer neuen möglichen Welt. Den verrätselten dramatischen Lebens­epilog beherrscht eine zerbrechliche Hoff­nung, die bittere Erkenntnis der sich immer wiederholenden Gewalttätigkeiten, Macht­kämpfe, Morde und eines Dennoch. Wenn die Schiffbrüchigen gemeinsam mit Prospero auf­brechen und in ihre Welt zurückkehren, so hat sie die Erfahrung des Wahnsinns, der »Seelen­angst«, des inneren Sturmes, verändert. Selbst Caliban erkennt seine Narrheit, »will künftig klüger sein und Gnade suchen«. Alle begin­nen von neuem. Der Ausgang ist ungewiss, aber die Hoffnung besteht: Prospero hat das Böse erlebt und wagt dennoch das Gute. In eine Welt, die aus ihren Fugen geraten war, ist moralische Ordnung eingekehrt. Aber für wie lange, für einen Traum? Shakespeare fasst in diesem Werk nochmals seine großen Themen zu einer leidenschaftlichen Auseinanderset­zung mit der Realität der Welt und ihren Mög­lichkeiten zusammen. Prosperos Insel gleicht der Welt mit ihren Qualen, mit ihrer Gewalttä­tigkeit und ihrer Hoffnung. Nicht nur die Schiffbrüchigen wiederholen auf Prosperos Insel ihre früheren Untaten, auch Prospero selbst muss das Scheitern seiner Erziehung an Caliban erleben, der gegen ihn rebelliert. Cali­ban, eine der aufregendsten Schöpfungen Shakespeares, und Ariel sind vielfältig inter­pretiert worden: Ariel als Symbol der Poesie, der Seele, der Intelligenz, Caliban als der Wilde, das Ungeheuerliche der Natur, das Volk. Alle Deutungen engen Shakespeares poetische Vision ein, entzaubern unergründ­lich Verrätseltes, wie etwa, dass es dieses halb­bewusste ungeheuerliche Wesen Caliban ist, das die schönsten Sehnsuchtsworte über die Musik spricht. Es gibt auch eine wahre Traum­welt auf dieser Insel: Unberührt von den wil­den Vorgängen haben zwei junge Menschen, Ferdinand und Miranda, einander erkannt. Sie sehen nur sich, sie sehen die Welt nicht, sie stehen außerhalb. Als Miranda zuletzt erst­mals die Schurken sieht, die sie und ihren Va­ter beinahe in den Tod getrieben hätten, die eben noch untereinander wüteten, ruft sie: »Wie schön der Mensch ist! Wackre neue Welt, die solche Bürger trägt!« Prospero aber legt in die vier Worte seiner Antwort seine ganze bittere Weisheit: »Dir ist sie neu.« Wie weit Prosperos großer Monolog, wenn er den Zauberstab zerbricht, und der Epilog tatsäch­lich Shakespeares Abschied von der Bühne, von seiner Dichtkunst bedeuten, sei dahinge­stellt. Doch etwas von der Qual des Zaubernmüssens, von dem Wunsch heimzukehren, von der leisen Todessehnsucht, die Prospero er­füllt, wird wohl auch in Shakespeare gelebt ha­ben, als er dieses letzte große Drama schrieb.


 

Frank Günther, geboren 1947 in Freiburg, aufgewachsen in Wiesbaden; Studium der Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaft in Mainz und Bochum; gleichzeitig den Verlockungen des Theaters erlegen: Regieassistenz beim amerikanischen Regisseur Charles Marowitz in Wiesbaden, Bochum und London; darüber Kontakt zum englischen off-off-Theater, im Dunstkreis von Peter Brook, dessen Sommernachtstraum später die Initialzündung für die eigene Theater- und Spracharbeit wurde; intensive Beschäftigung mit englischer Schauspielerausbildung und deren Prinzipien. Regieassistent in Bochum und am Staatstheater Stuttgart; gleichzeitig Lehrauftrag an der dortigen Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst; danach fester Regisseur in Heidelberg; nach zwei Jahren und einem halben Dutzend eigener Inszenierungen aus Ekel vorm Theater nach Amerika geflohen: ein Jahr on the road als Tabakpflücker, Kellner und Tellerwäscher in Kanada und USA, ohne Millionär geworden zu sein; danach Rückkehr nach Deutschland; erste Übersetzungen elisabethanischer Dramatiker und erneute Regiearbeit in Hassliebe zum Theater, etwa in Heidelberg, Bielefeld, Basel und Wiesbaden; Beginn der Shakespeare-Übersetzerei als Auftragsarbeit, die im Laufe der Jahre zur Hauptbeschäftigung wurde; seit 1974 zunehmender Rückzug aus der städtischen Welt aufs Land, wo er heute noch zwischen Büchern und Bienen sitzt und am Schreibtisch theaterspielend alte und neue Dramatik übersetzt. Nach Abschluss der Gesamtausgabe 2014 wird Frank Günther die erste Einzelperson sein, die das Gesamtwerk Shakespeares übersetzt hat. Auszeichnungen und Ernennungen: Christoph-Martin-Wieland-Preis für Übersetzer 2001, Übersetzerpreis der Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Stiftung; 2006 Gastprofessur für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität Berlin WS 2007/2008.





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