»Die Handlung ist überzeugend konstruiert. Die Einblicke in die Seele des Täters sind Kruse auf düsterem Thriller-Niveau gelungen.« NZ
»Nürnberg hat es nicht leicht mit seinem Erbe aus dem sogenannten »Dritten Reich«. Und jetzt kommt auch noch der Krimi-Autor Dirk Kruse daher und wühlt genüsslich in der braunen Vergangenheit und einer durchaus vorstellbaren Gegenwart, in der angestaubte Ewiggestrige und frische Neonazis die Stadt um ihren aufpolierten toleranten Ruf zu bringen drohen. »Requiem« heißt Kruses neuer Roman, und wer einen getragenen Abgesang erwartet, wird herb enttäuscht. Stattdessen konfrontiert der Autor den Leser mit einer furios-perfiden Komposition aus Tatsachen und fortgedachten Möglichkeiten, in die der Tod mehrfach wie ein Donnerschlag fährt. Und dass dieser Totentanz dann auch noch einen höchst widerlichen ideologischen Hintergrund hat, macht das Buch zu einem brisant-riskanten Reißer. Kruse verortet seine Geschichte erneut detailversessen im Nürnberg wie man es kennt. Schon in seinem Krimi »Tod im Augustinerhof« spielten ja die Schauplätze eine nicht zu unterschätzende Hauptrolle. Aber Nürnbergs einst umstrittenste Immobilie war eine harmlose Idylle im Vergleich zu den Tatorten in »Requiem«: denn es ist wahrhaft eine »Topographie des Grauens«, die der Autor entwirft, wenn er ausgerechnet das ehemalige Reichsparteitagsgelände als Szenerie für seine Story bestimmt. Das kontaminierte Gelände kommt nicht zur Ruhe: Tote werden dort gefunden, an deren Körpern die vorangegangene Folter wie das Programm eines Irren lesbar ist: schockierende Inszenierungen der Opfer – mit eingeritzten SS-Runen, in Hakenkreuzfahnen gewickelt. Und »ausgestellt« dort, wo die steinernen Nazi-Monumente die Furcht verstärken, dass das Böse noch immer hier ist. Alle Opfer kommen aus der rechtsextremen Szene, alle verband einmal treue Kameradschaft. Hat man es mit Ritualverbrechen der eigenen Leute zu tun? Sind die Täter unter Linksextremen zu suchen? War es gar ein jüdischer Musiker der Nürnberger Symphoniker? »Ich möchte wirklich wissen, was diesen Menschen zu seinen Taten antreibt. Ist das ein wahnsinniger Rächer? Oder ein kaltblütiger Sadist, der sich für allmächtig hält?«, fragt Hobby-Detektiv Frank Beaufort seine Freundin Anne Kamlin. ... »Requiem« ist mit Sicherheit im hohen Stapel der lokalen Krimis derjenige mit der größten thematischen Brisanz. Dabei macht es sich Dirk Kruse keineswegs leicht, denn der Neonazi-Hintergrund bleibt eben nicht nur Stoff, aus dem das Gruseln ist. Die geschickt eingebauten Recherchen zeigen auf einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel, wie brüchig und tatsächlich mörderisch die Seelenruhe über »dem Gelände« noch sein kann. Also wiegt die »braune Last« Nürnbergs ab sofort auch in der Unterhaltungsliteratur schwer. Das kann man auch skeptisch sehen. Aber spannend bis zur letzten Seite ist diese Erkenntnis auf jeden Fall. Ach ja: und politisch-moralisch korrekt natürlich auch – der jüdische Musiker ist nicht der Mörder.« Nürnberger Nachrichten